„Mir ist es ganz wichtig, dass es allen Leuten möglich ist, hier zu essen - egal, was sie zahlen können.“
Früher hat es Lea Tomppert immer in die Ferne gezogen. Sie kommt aus der Gegend von Stuttgart, hat Nahoststudien und Islamwissenschaft an der FU Berlin studiert und im Ausland gelebt. Heute betreibt sie die einzige Gastronomie in einem kleinen Dorf in Brandenburg.
Brück-Trebitz, im Hohen Fläming. 250 Menschen leben hier: Es gibt kein Café, keine Bäckerei, keine Kneipe – aber es gibt den Kochtopf, Lea Tompperts kleines Bistro, das ein- bis zweimal die Woche geöffnet ist.
Ihr Wechsel vom Nahost-Fokus in die Dorfküche war weniger eine Karriere- als eine Lebensentscheidung. Nach dem Umzug mit ihrer Familie von Berlin aufs Land stand sie vor der Wahl: pendeln für die akademische Karriere oder vor Ort etwas aufbauen.
Über Kontakte kam sie als Köchin zu einem Coworking-Space in Bad Belzig. Endlich eine Gelegenheit, all die vegetarischen Rezepte auszuprobieren, die sie über Jahre aus Zeitschriften gesammelt hatte. Die Selbständigkeit mit dem Kochtopf war dann für sie der nächste logische Schritt.
Neben ihrem Bistro organisiert sie in Brück und Treuenbrietzen auch Mittagstische für Seniorinnen und Senioren, ein Angebot gegen Einsamkeit im Alter, das von den Gemeinden gefördert wird. Außerdem bietet sie Catering an - unter anderem Mittagessen für eine kleine Schule.
Die Räume für ihr Bistro musste Lea Tomppert sich nicht einrichten. Ein früheres Dorf-Café stand seit Corona leer. Sie kannte die Besitzer. Fragte einfach, ob sie sich dort tageweise einmieten könne. So ist in die verlassenen Räume wieder Leben eingezogen.
Das Konzept des Kochtopfs ist unkonventionell: Gegessen wird rein vegetarisch. Und auf Spendenbasis. Jeder gibt, was er kann und was es ihm wert ist. Leitungswasser gibt es gratis. Am Anfang fanden viele Gäste das irritierend.
Aber Lea Tomppert ist es wichtig, dass es allen im Dorf möglich ist, in ihr Bistro zu kommen und hier zu essen. Die finanzielle Unsicherheit gleicht sie dadurch aus, dass sie nur so viele Zutaten einkauft, wie sie benötigt. Wer essen will, muss sich vorher verbindlich anmelden.
Maximal 25 Plätze gibt es. Im Durchschnitt kommen um die 20 Hungrige. Es gibt immer ein Drei-Gänge-Menü. Rein vegetarisch. Saisonal. Jetzt im Sommer zum Beispiel: Salat mit Senfdressing und Pfirsich. Danach Pasta mit Gemüse. Wenn möglich, aus Bioanbau von befreundeten Gartenbaubetrieben aus der Region. Zum Nachtisch Zitronen-Tiramisu.
Lea Tomppert schweift beim Kochen gerne in die Ferne: Italienische Einflüsse, aber auch aus dem Nahost-Raum oder der asiatischen Küche. Und sie interpretiert klassische Fleischgerichte vegetarisch: Zum Beispiel mit ihrem vegetarischen Dönerteller. An dem Tag liefen die Anmeldungen schleichend, erzählt sie. Aber dann wurde es doch voll. Ihre Gäste sind oft aufgeschlossener als erwartet.
Was am Ende zählt, ist aber nicht nur das Essen. An den großen Zehnertischen im Bistro kommt man miteinander in Kontakt. Einmal traf eine Frau im Kochtopf zufällig eine Schulfreundin wieder – nach fünfzig Jahren. Und wer sich noch nicht kennt, den macht Lea Tomppert miteinander bekannt. Sie stellt Tischnachbarn einander vor oder gibt auch mal kleine Gesprächsimpulse. Die Tischordnung hat Lea Tomppert genauso sorgfältig im Blick wie die Menüplanung.
Lea Tomppert wuppt das Bistro, die Mittagstische und das Catering im Moment allein. Nur im Sommer – wenn mehr Gäste von auswärts kommen - hilft ihr Partner beim Service. Eigentlich wären die Menüs im Kochtopf toller Content für Social Media. Aber dazu fehlt der Unternehmerin Zeit und Geduld. Trotzdem stand sie schon für Interviews vor der Kamera. Nicht zur Eigenwerbung - sie ist ohnehin ausgebucht. Sondern damit andere Dörfer von ihrem Kochtopf-Modell erfahren.
Für die Zukunft des Kochtopfs wünscht sich Lea Tomppert, dass weitere Gemeinden ihr Konzept kopieren: Essen auf Spendenbasis mit Voranmeldung, gerne in leerstehenden Gemeinschaftsräumen. Denn ein gutes und gesundes Essen macht glücklich - genauso wie eine lebendige Dorfgemeinschaft.